Briefe an Bahnchef Dr. Grube (mit den Antworten der Bahn):

1. Stuttgarterin, vom 2.10.09, Antwort Drexler vom 14.10.09
2. Rainer Müller, vom 13.7.09, Antwort der Bahn „Kundendialog“
3. Siegfried Busch, Juni 09, Antwort DB Projektbau
4.
Fridtjof Schmidt-Eisenlohr vom 4.8.09 mit Antwort Drexler vom 16.11.09
5. Eberhard Rapp am 6.12.09
6.
Ulrich Pfeiffer, Leserkommentar am 10.12.09
7.
Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischer, Januar 2010
-------------------------------------------------

1. Stuttgarterin

Datum: 2. Oktober 2009 09:45:57 MESZ
An: ruediger.grube@deutschebahn.com
Betreff: Stuttgart und Verkehrspolitik in Deutschland

Sehr geehrter Herr Grube,

bitte ersparen Sie uns Stuttgartern den ungemütlichen und engen Tiefbahnhof, und lassen sie uns den barrierefreien, stilvollen, luftigen und zur Stadt gehörenden Kopfbahnhof.

Ich fahre viel Bahn, oft im Ausland und habe viele Vergleichsmöglichkeiten.
Ein Albtraum: Brüssel Central, der Tiefbahnhof.
Schmuckstücke: der renovierte Jugendstilbahnhof in Antwerpen, der Züricher Kopfbahnhof.

Wir Stuttgarter brauchen bessere Luft, weniger Verkehr, wir brauchen das stadtnahe Grün des wunderschönen alten Parks, der dann zerstört würde - wir sind sicher, dass die Lebensqualität weitaus besser wäre, wenn der Kopfbahnhof renoviert würde.

Der Tiefbahnhof verbraucht im Bau und später unnötig viel Energie und ist somit zukunftsfeindlich, finanziell und klimapolitisch.

Bitte lesen sie folgenden
Artikel von Michael Cramer, wenn sie ihn noch nicht kennen.

Herzlichen Dank für Ihre Mühe!

Freundlich grüßt


------------------------------------------------------
Antwort

Am 14.10.2009 um 18:08 schrieb Wolfgang Drexler:

Sehr geehrte Frau ...,
 
Herr Dr. Grube hat mich gebeten, dass ich Ihnen als Sprecher für das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm auf Ihre Mail vom 2.10.2009 antworte, was ich hiermit gerne tue.

Den derzeitigen Stuttgarter Kopfbahnhof als barrierefrei zu bezeichnet trifft die Sache nicht. Ich habe erst vor einigen Wochen eine Begehung des Stuttgarter Bahnhofs mit Behindertenvertretern unternommen, die mir die erheblichen Schwierigkeiten beim Ein- und Umsteigen sowie die langen Wege zwischen den Gleisen eindrucksvoll geschildert haben.
 
Es ist richtig, dass Stuttgart eine bessere Luft und noch mehr stadtnahes Grün gut gebrauchen kann. Aber genau das bekommt Stuttgart mit dem neuen Durchgangsbahnhof, also mit S21. Der jetzige Kopfbahnhof ist am Ende seiner Leistungsfähigkeit. Nur ein Durchgangsbahnhof wird das politisch wie ökologisch gewünschte Mehr an Personen- und Güterverkehr auf der Schiene bewerkstelligen können.

Stuttgart 21 bringt mehr Grün nach Stuttgart. Durch Stuttgart 21 vergrößert sich der Schlossgarten und der Rosensteinpark um 20 Hektar, das sind 30 Fußballfelder. Hinzu kommen 10 Hektar Grünflächen, Parks und Straßengrün in den neuen Stadtteilen. Es werden rund 5.000 neue Bäume gepflanzt, darunter bis zu 12 m hohe Großbäume. Auf all das wollen Sie verzichten?
 
Im übrigen ist der von Ihnen favorisierte Kopfbahnhof überhaupt keine Alternative. K 21 wäre etwa 16 Jahre überwiegend bei Nacht eine oberirdische Großbaustelle unter laufendem Bahnbetrieb – und zwar vom Hauptbahnhof bis ins Neckartal. K21 würde zu massiven Beeinträchtigungen im Bahnverkehr über die gesamte Bauzeit von 16 Jahren führen. Mit K21 würde Stuttgart und ein erheblicher Teil des Landes vom europäischen Schienennetz abgehängt, weil sich der Verkehr bis zur Realisierung von K21 in zwei bis drei Jahrzehnten andere Wege suchen würde (z.B. Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-München). 

K 21 würde das Neckartal mit mindestens zwei zusätzlichen Gleisen belasten und zudem müsste ein 9,5 km langer Tunnel durch das Körschtal gebaut werden. Überdies würde K21 den Bahnanschluss des Stuttgarter Hafens – die wichtigste Schnittstelle für Schifffahrt, Schienen- und Güterverkehr – zerstören. Jährlich 3 Millionen Tonnen Güter müssten statt auf der Schiene dann über die Straße transportiert werden. Dies bedeutet zusätzlich 1.500 Lkw täglich durch Stuttgart. 

K 21 verschenkt überdies städtebauliche Chancen in erheblichem Umfang. K 21 ist weder geplant noch planfestgestellt und es gibt auch weit und breit niemanden, der K21 finanzieren will. K21 ist also keine Alternative!

Mit freundlichen Grüßen
 
Wolfgang Drexler
 
Sprecher
____________________________________________
Bahnprojekt Stuttgart-Ulm
Jägerstraße 2
70174 Stuttgart

Tel:  +49 711 21 3 21 - 211
 
www.das-neue-herz-europas.de
------------
Die Aussagen der Antwort von Herrn Drexler sind im
Blog kommentiert unter "O-Ton Drexler, Mal (1f)" ab 23. Oktober 2009
---------------------------------------------------

2. Brief an Grube von Rainer Müller
------------------------------------------------------------------------------------------
Zu Händen des Vorsitzenden des Vorstands der Bahn AG
Herrn Dr. Rüdiger Grube - persönlich -
Potsdamer Platz 2
10785 Berlin


Sehr geehrter Herr Dr. Grube,

mit völlig durchsichtigen Argumenten, die nie und nimmer plausibel klingen, nicht mehr zeitgemäß sind und ausschließlich in oberflächlichen Verbalismus, der jederzeit genüsslich widerlegbar ist, ausarten, versucht das Stuttgart-21-Kartell nach Disneyland-Muster - das neue Herz Europas, Mister Stuttgart 21 - die Bevölkerung für ihr Projekt zu gewinnen.

Doch was in 15 Jahren nicht gelang, ist auch kurzfristig nicht mehr machbar. Dieses Suggestiv-Treiben ist längst durchschaut und bewirkt geradezu lächerlich das genaue Gegenteil. Nämlich die Vorbehalte der Bürger noch mehr zu verstärken und den einen oder anderen Befürworter auch noch umzustimmen. Möge dieser tragische Jahrtausendirrtum schnellstens dort landen wo er hingehört, nämlich auf den Müllhaufen der Stadtgeschichte!

Die Stuttgarter Bevölkerung ist mehrheitlich gegen dieses ohnehin nur in kleinen Zirkeln hochgejubelte, völlig überzogene Prestigeprojekt. Der Wählerauftrag bei der Kommunalwahl im Juni ist eindeutig - es gibt bessere und kostengünstigere Alternativen mit Erhalt des bewährten Kopfbahnhofs.

In diesem Sinne freundliche Grüße
Rainer Müller, Stuttgart-Plieningen
---------------------------------------------
Antwort der Bahn:

Ihre Nachricht vom: 13. Juli 2009
Unser Zeichen: 1-2313437037
 Sehr geehrter Herr Müller,
 vielen Dank für Ihre E-Mail.
 Vom Vorstand sind wir gebeten worden Ihnen zu antworten.
 Wir werden keine Auskünfte zum Projekt "Stuttgart 21" tätigen.
 Wenn Sie weitere Fragen oder Anregungen haben, bitten wir Sie sich an unsere Rufnummernauskunft zu wenden. Vielleicht kann man Sie dort an einen zuständigen Mitarbeiter verweisen. Sie erreichen diesen Service unter der Nummer 0180 5 99 66 33 (14 ct/Min. aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk ggf. abweichend) täglich rund um die Uhr.
 Wir bitten um Ihr Verständnis.
 Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
 Maren Reinsch
Leiterin Kundendialog
________________________________________________
3. Brief an Grube von Siegfried Busch
Siegfried Busch
Königsberger Str. 23
72116 Mössingen
Tel. 07473-6772
post@siegfried-busch.de
02.07.2009


Deutsche Bahn AG
Vorsitzender des Vorstandes
Dr. Rüdiger Grube - persönlich -
Potsdamer Platz 2
10785 Berlin

Betrifft: Stuttgart 21


Sehr geehrter Herr Dr. Grube,

Sie haben sich für Stuttgart 21 ausgesprochen. Bitte prüfen Sie, ob der Tunnel zum Anschluss an die Schnellbahnstrecke nach Ulm wie geplant direkt auf die Filder geführt werden muss durch über 4 km Anhydrit oder ob dieses unkalkulierbare Risiko nicht vermieden werden kann durch einen Tunnel etwas neckaraufwärts, wo diese unheimliche geologische Formation nicht mehr ansteht.

Dazu mein Blogbeitrag „
zwei Meldungen“ vom 19.06.2009 in www.s21.siegfried-busch.de

Staufen ruft Oettinger zu Hilfe
Altstadt hebt sich unaufhörlich
So dramatisch wie noch nie hat der Bürgermeister von Staufen, Michael Benitz, die Lage der Stadt beschrieben. Er gehe mittlerweile davon aus, dass sich die Altstadt „um mehrere Meter“ heben könnte, falls die fieberhafte Suche nach einem Rettungskonzept erfolglos bleibe.

20.06.2009
Bohrloch 203 bereitet der Bahn Probleme StZ
Stuttgart 21
Ein Wasseraustritt am Ameisenberg legt Baustelle erstmal lahm.
...Doch vom zuständigen Mitarbeiter ist keine Auskunft über Ursachen und mögliche Gefahren des Wasseraustritts zu erhalten: „Ich darf dazu nichts sagen.“

Kommentar: „Doch der Mensch versuche die Götter nicht“ (Schiller). Goethe urteilte über den Taucher: „Die Ballade selbst stellt uns den Kampf des Menschen mit einer furchtbaren Naturkraft vor Augen...“
Meine Meinung: Der Tauchgang des Jünglings war ebenso unnötig wie der Bohrgang durch den Gipskeuper/Anhydrit im geplanten Fildertunnel.

Die Stuttgarter und auch die Mehrheit der Bevölkerung des Landes haben sich gegen die vorliegenden Pläne mit dem Tiefbahnhof entschieden, die angelaufenen Werbemaßnahmen werden diese Entscheidung nicht ändern können sondern nur verstärkten Widerstand auslösen.

Mit freundlichen Grüßen


Siegfried Busch
--------------------------------
Antwort Bahn:

„… wir bestätigen Ihnen den Eingang Ihres o.g. Schreibens zum Thema „Stuttgart 21“ in unserem Unternehmen.
Mit freundlichen Grüßen
DB ProjektBau GmbH
i.A. Stephan Ritzel
Assistent

Postanschrift:
Köthener Straße 2 - 3, 10963 Berlin

----------------------------------------------

4. Brief an Grube von Fridtjof Schmidt-Eisenlohr

Demo Kursaal 2009 06 15 Fridtjof S-E


Fridtjof Schmidt-Eisenlohr Dennerstr. 70
Dipl.-Ing. 70372 Stuttgart
0711/ 560018
Herrn
Rüdiger Grube - persönlich
Vorstandsvorsitzender
Deutsche Bahn AG
Potsdamer Platz 2

10785 Berlin

Stuttgart, den 04.08.2009
Stuttgart 21

Sehr geehrter Dr. Grube,

Sie sind einer der maßgebenden Entscheidungsträger bezüglich des Projekts Stuttgart 21.
Stuttgart 21 ist ein Immobilienprojekt, das zur Akzeptanz in der Bevölkerung als Bahnprojekt deklariert wird. Manche Politiker lassen sich gern von der Immobilienlobby steuern. OB Schuster macht das sogar aus innerer Überzeugung.
Das ganze Projekt ist bahntechnisch überflüssig. Es gab schon viele Vorschläge, wie man mit geringem Aufwand die vorhandenen Engpässe (z.B. S-Bahn), beseitigen könnte.
Den Flughafen könnte auch ohne Stuttgart 21 schneller erreicht werden.
Die neue Strecke nach Ulm hilft nicht viel, da schwere Güterzüge weiterhin über die Geislinger Steige fahren müssen.
Schon bei der sogenannten „Bürgerbeteiligung“ Mitte der 90-er Jahre durfte nicht über
Alternativen nachdacht werden.
Die Bahn hat viele dringende Bauprojekte nicht begonnen, weil angeblich kein Geld dafür vorhanden ist. Zunächst müssen die Schäden, die ihr Amtsvorgänger angerichtet hat, wieder in Ordnung gebracht werden.
Als Beispiele führe ich auf:
1. die Zerstörung der Berliner S-Bahn, auf der auf absehbarer Zeit kein planmäßiger Betrieb mehr stattfinden kann, um alle Fahrgäste pünktlich befördern zu können.
2. der verantwortungslose Rückbau der Überleitstellen und Überholgleise auf den stark frequentierten Hauptstrecken.
Auf dem Gelände von Stuttgart 21 gibt es genügend unbebaute Flächen, die bisher noch keinen Investor gefunden haben. Die bisher errichteten Gebäude gehören alle dem Land Baden-Württemberg bzw. dessen Banken. Die Gleise brauchen nicht entfernt zu werden.
Alle in Deutschland seit 1945 zu Durchgangsbahnhöfen umgebauten Kopfbahnhöfe, wie z.B. Heidelberg, Braunschweig und Ludwigshafen wurden aus rein bahntechnischen Gründen umgebaut. In Stuttgart sind es überwiegend Gründe der Profilneurose.
Ich bitte Sie, Ihren Einfluss im Sinne eines ordentlichen Bahnverkehrs geltend zu machen, was letztlich bedeuten müsste, Stuttgart 21 zu stoppen.


mit freundlichen Grüßen

gez. FSE


----------------------------
Antwort Drexler
Drexler Antwort (Grube) 2009 11 16

5. Eberhard Rapp
Rapp:Gruber .doc
6. Ulrich Pfeiffer am 10.12.09, Leserkommentar
10.12.2009

eine Chance für den Neuanfang oder Sprengsatz?

Sehr geehrter Herr Dr. Grube,

nachdem vertraulichen Gespräch kürzlich in Frankfurt mit dem S 21 Projektgegnern Peter Conradi, Klaus Arnoldi, und Birgit Dahlbende, das ich mit angeregt hatte, war ich noch in der Hoffnung auf eine unabhängige und mutige Entscheidung von Ihnen, das Phantomprojekt S 21 zu beenden. Jetzt nachdem der Verwaltungsrat der Bahn zurecht geprügelt wurde, und Sie dem Land, der der Stadt Stuttgart gewissermaßen die Pistole auf die Brust gesetzt hatten, diese Vereinbarung zu unterschreiben, bin ich ehrlich gesprochen sehr enttäuscht von Ihnen und den Eindruck den Sie mir bisher vermittelt hatten.

Sie betonten immer wieder, Ehrlichkeit und Klarheit in die Kosten dieses Projekts zu bringen. Es sind jetzt politische Kosten von Ihnen präsentiert worden, das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Sie sind so aufgepäppelt worden, dass die Reißleine gerade noch nicht gezogen wurde. Wenn Sie die Grafik in der Stuttgarter Zeitung (10.12.09 Seite 2) auf das Jahr 2016 hochrechnen über die Kostenentwicklung, dann werden wir bei 20,6 Milliarden EURO ankommen. Vieregg Rössler, die bisher glaubwürdigsten Gutachten des Projekts prognostizierten 7 Milliarden EURO.

Die Kosten sind nur einer von vielen Sprengsätzen des Projekts.
• Die NBS Stuttgart- Ulm ohne die S 21 wäre sinnlos, sie wird mindestens 4 Milliarden EURO kosten, wegen der schwierigen geologischen Bedingungen - vergleichbar mit der NBS Nürnberg-Ingolstadt.

• Die Bahntickets werden teurer, die S-Bahntickets sogar um 25 % wie einer der besten Kenner des Bahnprojekts, Sascha Behnsen, in einem Gutachten prognostizierte. Damit werden nicht mehr sondern weniger Leute Bahn fahren in Zukunft.

Der Umweltschutz bleibt auf der Strecke bleibt ebenso auf der Strecke.
• Statt 170 000 t weniger CO2 durch weniger Autofahren wird es diesen Betrag als zusätzliche Autofahrten geben.
• Der Bau des Projekts verschlingt allein nach mir vorliegenden Quellen: 540 000 t CO2
• Die Berg- und Talfahrt vom Tiefbahnhof hinauf zum Flughafen wieder runter ins Neckartal und dann hoch über die Alb nach runter Ulm wird weitaus mehr Bahnstrom erfordern als bisher.
• Der Frischluftaustausch im Talkessel Stuttgart wird durch den Bahndamm wesentlich behindert

Die Kultur bleibt auf der Strecke
Der renommierte Architekt Ostertag referierte gestern eindrucksvoll im Stuttgarter Rathaus die Geschichte von S 21 und warum die Tallage des Nesenbach nicht für den Luft – sondern auch den freien Gedankenaustausch notwendig wäre.
• Ein Bahnhof ist immer auch ein Ort des Empfang und des Abschiednehmens. Eine taghelles Glasdach über einen Kopfbahnhof ist da ein besseres Ambiente als ein dunkler U-Bahnschacht mit verdreckten Glupschauben.
• Die Neubebauung des freiwerden Gleisfelds ist an Scheußlichkeiten nicht zu überbieten (siehe LBBW Gebäude)
• Die UNO beabsichtigt – ohne Zutun der Stuttgarter – den Bahnhof in ihre Liste als Weltkulturerbe aufzunehmen.

Der Tiefbahnhof hat entscheidende Nachteile gegenüber dem bestehenden Kopfbahnhof.
Allein der Vortrag gestern des langjährigen Bahnhofvorstehers Herrn Hopfenzitz hat mich fast zu Tränen gerührt. Mit unbeweglicher Mine zerpflückte er die Lügen des Herrn Drexler, berichtete über die Manipulationen von Prof. Martin in seinem Gutachten für den Verwaltungsgerichtshof über angenommene Haltezeiten, die niemals wahr sind. Allein deshalb schäme ich mich für die Qualität und Opportunität eines Hochschullehrer an meiner alten Uni.

Alte Menschen haben beträchtliche nahezu unüberwindbare Hürden
Auch Sie Herr Dr. Grube, gehen bald auf die 60 zu. Meine Mutter starb dieses Jahr mit 94 Jahren. Bis zuletzt hatten wir noch gemeinsame Bahnreisen gemacht. Doch Rolltreppen waren ihr schon sehr beschwerlich. Selbst ich als erst
61 Jähriger habe im 10 Milliarden EURO teuren dreigeschossigen Hauptbahnhof in Berlin einige Zeit Orientierungsschwierigkeiten, wenn ich ankomme. Wie soll es da noch älteren Menschen gehen bei der noch schnelleren Zugfolge im Tiefbahnhof Stuttgart?

Störungsfälligkeit und Sicherheit
• Wegen der Tallage und Gefälleneigung des Tiefbahnhofs ist der Brems- und Beschleunigungsaufwand bei rascher Zugfolge immens. Entsprechend hoch wird der Verschleiß und die Störanfälligkeit an Weichen und Gleisen sein. Eine kleine Störung wirkt sich sofort auf das Gesamtsystem aus und nicht wie beim Kopfhahnhof mit viel Redundanz aufgefangen werden.
• Terroristen haben leichtes Spiel mit verheerenden Bombenanschläge auf die sensiblen Weichenstellen an den Tunnelmündungen. Der gesamte Bahnbetrieb in Stuttgart wird für Wochen lahmgelegt.

Bessere Alternativen sind vorhanden und können rascher als S 21 umgesetzt werden.
Die Behauptung dass es keine realistische Alternativen gäbe ist schlichtweg eine Lüge. Die Alternative K 21 ist in ehrenamtlicher Arbeit entwickelt worden. Sie bedarf natürlich noch einer professionellen Überarbeitung und Ausgestaltung. Aber sie ist sofort und in Stufen verwirklich bar. Neue Erkenntnisse und Erfahrungen können jederzeit in den Bauprozess einfließen.

Der Widerstand wird weitergehen und zu einer Lawine anschwellen.
Herrn Dr. Mehdorn stellte ich vor zwei Jahren auf einer IHK Veranstaltung im Beisein von Prof. Bodack (ehemaliger Berater des Bahnvorstands) zu Stuttgart 21 auf dem Killesberg vor 1000 Unternehmern die Frage, warum er sich nicht am Schweizer Vorbild „Bahn 2000“ orientiert, wo man nur so schnell wie nötig, dafür aber die höchste Netzgeschwindigkeit hat und wo der Staat mit halb so viel Investitionen in die Bahninfrastruktur doppelt so viele Menschen auf die Schiene bringt wie in Deutschland. Er wusste darauf keine Antwort und winkte barsch ab.

Ihnen Herr Dr. Grube möchte ich die Frage stellen, wollen Sie den Vertrauensvorschuss ruinieren, den Sie seit Übernahme dieses schwierigen Amtes bekommen hatten, indem Sie den Quasi STASI Betrieb der Bahn mutig beendeten.
Wollen Sie jetzt mit Opportunität bei einem Landesflüchtling (MP Oettinger flieht nach Brüssel) und einem OB Schuster auf Abruf die mühselig erreichte Reputation der Deutschen Bahn AG wieder aufs Spiel setzen?

Der Widerstand in Stuttgart gegen die Zerstörung unserer Heimatstadt durch S 21 wird zunehmen, getragen von der Mehrheit und der Mitte der Bevölkerung, von der Intelligenz, den Etablierten und Gebildeten. Schwaben sind als Gesetzesloyal bekannt, sie können aber auch sau grob werden wenn es um ihre Würde und Freiheit geht.

Die Demos wie heute Abend vor dem Hauptbahnhof werden spontan und fantasievoll zunehmen. Ich werde dazu auch bald auf der Geige d „Stuttgart 21 auf den Abstellbahnhof“ intonieren.
Als Geschäftsführer eines Unternehmens mit inzwischen 70 Mitarbeiter habe ich wenig Zeit, immer 110 km zur Demo nach Stuttgart zu fahren, aber ich werde es tun so oft es möglich ist. Die Demonstrationen werden wie in Leipzig gegen Ende des DDR Regimes zu einer friedlichen Lawine anschwellen. Und wir werden auf lange Sicht Erfolg haben. Die Gewissheit macht uns stark.

Dennoch würde ich ein – ruhiges Gespräch – gerne mit Ihnen unter vier Augen einmal führen wollen – wenn Sie es wünschen. Mit rund 800 Stunden Arbeit am Projekt Bahnknoten Stuttgart kann ich Ihnen gewiss einige neue Aspekte vermitteln, die Sie vielleicht noch gar nicht vermutet hätten.

Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich eine besinnliche Weihnacht und alles Gute für 2010

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Pfeiffer

========================
7. Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischer, Januar 2010

Offener Brief an Dr. Rüdiger Grube
Sehr geehrter Herr Dr. Grube,
Sie waren in der BMW-Niederlassung Stuttgart-Vaihingen und haben sich dort auch zu Stuttgart K21 geäußert. Wenn Sie von der  Stuttgarter Zeitung richtig zitiert worden sind, dann darf ich mich Ihnen nun als Stuttgarter Bürger vorstellen, der mit dem "Klammerbeutel gepudert" ist. Obwohl ich diesen unklaren Ausdruck schon einmal irgendwo gehört habe, muss ich Sie  - ehe ich zu meinem eigentlichen Anliegen komme - zuerst darum bitten, mir den Witz(?), den ich nicht verstehe, näher zu bringen, damit auch ich über Sie lachen kann.
Nun zu meinem eigentlichen Anliegen:
In der Stuttgarter Zeitung las ich eine weitere Aussage von Ihnen: ... Die Alternative K21 sei keine, da das Gleisvorfeld, das dabei erhalten bliebe
ein hässlicher Schandfleck sei...
Ich hatte zunächst vor, mir von Ihnen erläutern zu lassen, was Sie damit genau meinen. Ich bin dann aber zu der Überzeugung gekommen, dass dies zunächst nicht nötig ist, weil Sie es ja in die Öffentlichkeit hinein gesagt haben und die Öffentlichkeit versteht darunter, einfach das optische Bild der Gleisanlagen.
Der derzeitige Chef der Deutschen Bahn sagte somit den ungeheuerlichen Satz
"Die Gleisanlagen vom Kopfbahnhof Stuttgart sind ein Schandfleck"
Für mich ist dies eine absolute Entgleisung. Sie geht gar noch über die unsinnige Äußerung von K 21-Gegnern hinaus, die sich mit dem blöden Wort "Gleisgewurstel" bezüglich der Gleisanlagen vor dem Kopfbahnhof ebenfalls selbst blamieren.
Gleisanlagen (Schienen, Weichen und Signalanlagen) sind notwendige Anlagen für den Schienenverkehr. Sie sind jetzt etwa 150 Jahre in der Entwicklung und diese geht stets weiter, d.h. aber es handelt sich hierbei um hervorragende technische Einrichtungen, die von hervorragenden Ingenieuren und Konstrukteuren in Verbindung mit den Bahngesellschaften und den Gleis- und Weichenbaufirmen und den Stahlerzeugern entwickelt wurden und immer noch weiter entwickelt werden. Gleisanlagen gehören zu den Kultur-Gütern unserer Zeit. Nur
Kultur-Banausen, die  immer noch eine einseitige Sicht von Kultur und Ästhetik haben, können solch dumme Aussagen über Gleisanlagen machen. Sie haben von Industrie-Kultur noch nichts gehört, obgleich uns diese auf Schritt und Tritt begegnet. Denken wir nur einmal an schöne Veranstaltungshallen wie das Theaterhaus in Stuttgart, oder die Jahrhunderthalle in Bochum.
In Gleisanlagen stecken viele Erfindungen. So wäre zuerst einmal Hochachtung vor der bestens nachgewiesenen hohen technischen Leistung am Platze, auf die sich jeder Bahnfahrer schon verlassen hat und weiter verlassen muss. Dass sich die Ästhetik von Gleisanlagen offensichtlich nicht "jedermann" sofort aufschließt mag ja sein. Wer aber glaubt, das was er nicht sogleich durchschaut, mit unqualifizierten Äußerungen abtun zu müssen, disqualifiziert sich damit selbst.
Ich möchte behaupten, dass die meisten Stuttgarter dem Gleisfeld vor dem Bahnhof bewusst kaum begegnen. Sie sind aber nicht nur Nutznießer des Gleisfeldes im oben dargelegte Sinne sondern auch noch in ganz anderer Weise. Das Gleisfeld hat bislang den Blick auf die besondere Lage Stuttgarts geschützt! Sowohl der nach Stuttgart einfahrende Fahrgast der Bahn als auch der Fußgänger oder Autofahrer z.B. in der Heilbronner Str. hatte bislang noch weitgehend freie Sicht quer durch das Tal auf die schönen Hänge im Süden-Osten (z.B. Uhlandshöhe) und Norden-Westen (z.B. Killesberg). Diese Sicht ist einmalig und eine Werbung für Stuttgart! Leider wird sie derzeit mehr und mehr verstellt.
Ich kann es immer noch nicht glauben, dass Sie, Herr Dr. Grube, obige, fett gedruckte Bemerkung einfach so gemacht haben. Ihr Lebenslauf weist doch auch eine kurze technisch orientierte Seite aus. Ich stelle mir vor, was wohl die Bahnchefs vor Mehdorn über diese unqualifizierte Äußerung gesagt hätten. Ich stelle mir weiter vor, was sagen Ihre Mitarbeiter, die für die Sicherheit der Gleisanlagen verantwortlich sind, über diese Ihre
Entgleisung. Sie würden Sie vielleicht darauf hinweisen, dass der letzte Bahnchef dringende Erneuerungen unterdrückt hat, um eher an die Börse gehen zu können. Zu Ihren Gunsten nehme ich jetzt einfach mal an, dass Sie eigentlich meinen, dass nur von der Bahn vernachlässigte Gleisanlagen als Schandflecke zu bezeichnen sind. Dies kann aber kein allgemeingültiges Argument gegen Gleisanlagen von Kopfbahnhöfen, Rangierbahnhöfen (wie sie insbesondere für den Güterverkehr notwendig sind) oder von Industrieanlagen sein, die uns allen zu Diensten stehen.
Demjenigen, der sich mit der Ästhetik von Gleisanlagen schwer tut  (noch vor 70 bis 100 Jahren war dies kaum der Fall), dem empfehle ich im Jahr 2010 die "Europäische Kulturhautstadt Ruhrgebiet 2010" aufzusuchen. Er kann dort u.A. viele wunderbare industriekulturelle Bauten und Konstruktionen sehen und sich die Augen für eine nicht mehr ganz neue Sichtweise öffnen lassen.
Herr Grube, eine öffentliche Entschuldigung für Ihre unqualifizierte Aussage möchte ich Ihnen dringend anraten.
Mit freundlichem Gruß
Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischer





grube091206